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Muttermilch bietet Schutz vor Asthma

Ausschließliches Stillen kann das Asthma-Risiko bei Kindern um 40 Prozent senken. Das belegt eine aktuelle Studie aus Kanada.

Kinder, die nicht gestillt wurden, haben bis zum Alter von drei Jahren ein um 79 Prozent höheres Risiko, an Asthma zu erkranken als Kinder, die gestillt wurden. Ausschließliches Stillen kann das Asthma-Risiko bei Kindern um 40 Prozent senken. Das hat eine aktuelle Studie aus Kanada ergeben (siehe The Journal of Pediatrics 2017, Band 190, Seite:192–199.e2).

In Deutschland leiden etwa zehn Prozent der Kinder an Asthma. Bei 30 Prozent der Betroffenen zeigen sich erste Krankheitssymptome bereits im ersten Lebensjahr, bei 80 - 90 Prozent bricht die Krankheit vor dem fünften Lebensjahr aus. Damit ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.

Für chronische Erkrankungen gilt, dass Prävention die beste Medizin ist. Dabei ist Muttermilch eine der wenigen Möglichkeiten zur Asthmaprävention. „Jeder Monat, der gestillt wird, ja sogar jeder Tropfen Muttermilch, den ein Kind erhält, zählt bei der Prävention von Asthma. Vor allem Kinder mit einer familiären Vorbelastung für Asthma, beispielsweise weil die Mutter selbst davon betroffen ist, profitieren vom Stillen“, betont Meghan Azad, Assistant Professor of Pediatrics and Child Health an der University of Manitoba (Kanada) und Leiterin der Asthma-Forschungsgruppe im Rahmen der „Canadian Healthy Infant Longitudinal Development (CHILD)“-Studie.

Laut der CHILD-Kohorte, in der Daten von 3296 Kindern ausgewertet wurden, gibt es zwischen der Stilldauer und kindlichem Asthma eine eindeutige Verbindung: Je länger gestillt wird und je exklusiver die Ernährung mit Muttermilch ist, umso weniger Atemprobleme (wie z.B. Giemen) haben die untersuchten Kinder. Unter Giemen wird ein pfeifendes Aus-, manchmal auch Einatemgeräusch verstanden, das ein starker Prädiktor für späteres Asthma darstellt.

Bei Kindern von asthmatischen Müttern senkt ausschließliches Stillen das Risiko für Giemen um 67 Prozent. Teilweises Stillen reduziert das Risiko für Asthma laut Azad um circa 37 Prozent. Säuglinge, die in den ersten drei Monaten ausschließlich Milchpulver-Formula erhielten, hatten im Gegensatz zu teilweise gestillten und exklusiv gestillten Kindern die höchste Rate an Giemen.

Die Studienergebnisse unterstreichen einmal mehr, dass Muttermilch für Babys Ernährung und Gesundheitsschutz in einem ist. „Leider stillen in Deutschland zu viele Mütter bereits in den ersten Monaten ab oder geben zusätzlich Muttermilchersatznahrung. Umso wichtiger ist es, Mütter beratend zu unterstützen und ihnen konkrete Tipps zu geben, wie sie den Stillstart erfolgreich meistern und wie sie das Stillen noch besser in ihren Alltag integrieren können“, erklärt Manuela Burkhardt, Still- und Laktationsberaterin, Lehrerin für Hebammenwesen und Fortbildungsbeauftragte bei Medela Deutschland.

Welche Inhaltsstoffe der Muttermilch für den präventiven Effekt bei Asthma verantwortlich sind, ist noch nicht bekannt. Erforscht werden die Auswirkungen so unterschiedlicher Stoffe wie Fettsäuren, Hormone, Immunfaktoren und Mikroben. Ein besonderes Augenmerk der Forschung gilt den humanen Oligosacchariden: Mehr als 100 dieser speziellen Zucker kommen in der Muttermilch vor und scheinen eine Rolle beim Schutz gegen Asthma zu spielen, obwohl Babys diese Oligosaccharide nicht verdauen können. Das übernehmen im Darm des Säuglings angesiedelte Mikroben, die ebenfalls über die Muttermilch aufgenommen werden. „Wir fangen gerade erst an zu verstehen, wie sich die Inhaltsstoffe der Muttermilch auf die Gesundheit der Kinder und im speziellen auf die Entwicklung von Asthma auswirken“, so Azad. Doch eines sei sicher: Für den Schutz vor Asthma ist nicht ein einzelner Inhaltsstoff der Muttermilch verantwortlich, sondern das Zusammenspiel vieler, genau auf den Bedarf des Babys abgestimmter Inhaltsstoffe.

Quelle: Medizin PR GmbH