Hände sind das wichtigste Übertragungsvehikel von Krankheitserregern. In Deutschland kommt es nach aktuellen Schätzungen jährlich zu 400.000 bis 600.000 so genannten nosokomialen Infektionen (die in Gesundheitseinrichtungen auftreten). Solche Infektionen belasten weltweit den Erfolg medizinischer Eingriffe. Demgegenüber ist eine sachkundig und konsequent durchgeführte Händedesinfektion durch das medizinische Personal eine einfache, kostengünstige und sehr wirksame Maßnahme, um die Verbreitung von Krankheitserregern in Kliniken zu verringern.
Wegen der globalen Bedeutung des Problems hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einem jährlichen, weltweiten Händehygiene-Tag aufgerufen. Dessen Motto ist „Retten Sie Leben, desinfizieren Sie ihre Hände“ (Save Lives: Clean Your Hands). Der 5.5. wurde wegen der fünf Finger jeder Hand und den fünf vorrangigen Zielen der WHO zur Erhöhung der Patientensicherheit gewählt. Ziel ist, dem Personal die korrekte Durchführung von Händehygiene-Maßnahmen in Einrichtungen des Gesundheitswesens durch strukturelle und organisatorische Unterstützung zu erleichtern und so die Umsetzung dieser Präventionsmaßnahme zu verbessern.
Das Bundesministerium für Gesundheit hat bereits Anfang 2008 die Aktion Saubere Hände gestartet. „Mit der Aktion Saubere Hände wollen wir eine bessere Umsetzung bestehender Empfehlungen in Einrichtungen des Gesundheitswesens erreichen und die Patientensicherheit stärken“, sagt Ulla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit. „Nach Schätzungen sind ein Drittel der Krankenhausinfektionen in Deutschland vermeidbar, und die wichtigste Einzelmaßnahme zur Prävention von Krankenhausinfektionen ist die Händedesinfektion“ erläutert Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts. Das RKI ist einer der Partner der Aktion Saubere Hände, der Wissenschaftliche Beirat der Aktion ist am RKI angesiedelt. Das Epidemiologische Bulletin des RKI (17/2009) enthält einen Überblick über den Stand von Aktivitäten zu dem Thema. In ihrer Empfehlung zur Händehygiene weist die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am RKI unter anderem daraufhin, dass die hygienische Händewaschung keine Alternative für die hygienische Händedesinfektion darstellt.
Träger der auf drei Jahre angelegten Aktion Saubere Hände sind das Nationale Referenzzentrum für die Surveillance von Krankenhaushygiene, das Aktionsbündnis Patientensicherheit und die Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert das Vorhaben mit insgesamt rund 650.000 Euro. „Der großen Motivation aller Akteure ist es zu verdanken, dass die Kampagne nach einem Jahr Laufzeit in einem Viertel der deutschen Krankenhäuser etabliert werden konnte“, unterstreicht Ulla Schmidt. Ein Schlüsselelement für das Gelingen der Kampagne ist die Unterstützung durch die Krankenhausleitung. Vor allem das Einbeziehen von Klinikdirektor, Pflegedirektion, und Qualitätsmanagementbeauftragtem führt zu einer erfolgreichen Umsetzung der Kampagne vor Ort. Damit bekommt die Händedesinfektion in der Verwaltungsebene eine hohe Priorität und wird zu einem Qualitätsmerkmal für die eigene Einrichtung.
Weitere Informationen: Robert Koch-Institut